
Die Arretierung von elastischen Bodenbelägen auf Fußbodenuntergründen erfolgt in erster Linie durch eine vollflächige und feste Verklebung. Bei der vollflächigen festen Klebung müssen die eingesetzten Klebstoffe eine feste und dauerhafte Verbindung zwischen den elastischen Bodenbelägen und dem Fußbodenuntergrund gewährleisten. Bleibende Resteindrücke, Blasen und Beulen sind die häufigsten und typischsten Schäden bei verlegten elastischen Bodenbelägen. Dabei lässt sich dieses Ärgernis durch fachgerechte Ausführung der Bodenbelagsarbeiten und die richtige Planung vermeiden.
Wenn es zu Streitigkeiten zwischen den beteiligten Partnern kommt, müssen Bausachverständige die Ursachen für diese Schäden herausfinden und den Schadensverursacher identifizieren. Bei der Vielzahl der nachfolgend aufgezeigten Schadensursachen ist das häufig nicht einfach, zumal es die beteiligten Partner mit der Wahrheit manchmal nicht ganz so genau nehmen. Die nachfolgend aufgezeigten Schäden, aber auch die Verarbeitungstipps, sollten von den Verarbeitern und Planern beachtet werden.
Die Begriffe Beulen und Blasen werden von den Fachleuten unterschiedlich interpretiert, auch wenn die Erscheinungsbilder eindeutig sind. Verformt sich der Belag durch Feuchtigkeit, so spricht man in der Regel von Beulen (Abb. 1, Abb. 2). Beulen sind großflächiger als Blasen und in aller Regel länglich. Bei Blasen handelt es sich um handtellergroße Ablösungen vom Boden, die auf eine schlechte Arretierung / Klebung zum Untergrund zurückzuführen sind. Da bei Blasen- und Beulenbildung in den meisten Fällen Feuchtigkeit im Spiel ist (Abb. 5), werden fast immer beide Begriffe gleichzeitig verwendet.
Die häufigsten Ursachen bei Eindrücken sowie bei der Blasen- und Beulenbildung in elastischen Belägen sind handwerkliche Fehlleistungen, nachstoßende Feuchtigkeit aus dem Untergrund sowie falsche Nutzung der Fußbodenkonstruktionen, aber auch Planungsfehler.
Legt der Verarbeiter den Bodenbelag zu früh ein, enthält der Dispersionsklebstoff noch zu viel Feuchtigkeit, die unter dem Belag eingeschlossen wird. Das führt bei der Verlegung von elastischen Belägen zu oberflächig kleinen rundlichen Blasen. Diese Blasenbildung kann der Verarbeiter durch das Feststellen der richtigen Ablüftezeit und die Einhaltung der erforderlichen Spachtelmassendicke (siehe Abschnitt: Die Spachtelmassendicke wurde nicht ausreichend dick dimensioniert) vermeiden.
Faustregel: Zeichnen sich nach längerer Zeit lange, in die Breite gehende Beulen ab, ist das in der Regel ein Anhaltspunkt von nachschiebender Feuchtigkeit aus dem Untergrund (Abb. 2). Treten oberflächig kleine rundliche Blasen direkt nach der Verlegung auf, wurde der Belag meistens zu früh ins Klebstoffbett eingelegt. In aller Regel verschwinden die Beulen über Nacht und die Fläche liegt einwandfrei. Das funktioniert aber nur dann, wenn ein gespachtelter und vor allem ausreichend dick gespachtelter Untergrund vorliegt. Die Spachtelmasse saugt die Feuchtigkeit aus dem Dispersionskleber durch ihr hygroskopisches Verhalten auf und zieht die Blasen förmlich nach unten.
Wenn die Ablüftezeit bei Dispersionsklebstoffen überschritten wird, kommt es in der Regel nur zu einer Haftklebung, bei der die Rückseite des Bodenbelags häufig nicht ausreichend benetzt ist. Der Dispersionsklebstoff hat bereits eine hartelastische Riefe (Abb. 3) gebildet und liegt deshalb auf den Klebstoffriefen oben auf. Besonders bei höherer mechanischer Beanspruchung, beispielsweise im Bereich von Stuhlrollen, wölbt sich der Belag auf und es kommt zur Blasenbildung.
Klebstoffverpressungen durch Fuß- oder Kniebelastungen lassen sich nicht mehr auswalzen und zeichnen sich sichtbar in der Belagoberfläche ab. Spätere Belastungen, beispielsweise durch Möbel und besonders punktuelle Belastungen, hinterlassen ebenfalls Eindrücke, die sich sichtbar an der Belagoberfläche abzeichnen. Die Ablüftezeit ist nach dem Klebstoffauftrag so lang wie nötig, aber auch so kurz wie möglich zu wählen (Tackphase). Die Klebstoffriefen müssen sich in jedem Fall noch flachdrücken lassen. Anschließend ist der Belag einzulegen, anzureiben und zusätzlich anzuwalzen.
Dispersionsklebstoffe sind auf saugfähigen Untergründen so lange ablüften zu lassen, bis die halbnasse Phase des Klebstoffs (Tackklebung) erreicht ist (Abb. 7). Zum Erkennen der Tackphase genügt eine Fingerprobe. Fährt man mit einem Finger leicht über die Klebstoffriefen, stellt man im Verlauf der Ablüftung Unterschiede der Klebekonsistenz fest. Bei einem frisch aufgetragenen Dispersionsklebstoff bemerkt man keine einzelnen Riefen und der Dispersionskleber lässt sich quasi wie Sahne zerdrücken. Das ist ein Zeichen, noch zu warten!
Nach einiger Zeit kann man beim gleichen Test die einzelnen Riefen spüren; dennoch lässt sich der Kleber gut zerdrücken. Wird dann ein gewisser Fadenzug erkennbar, ist der aufgetragene Kleber einlagebereit. Die erforderliche Ablüftezeit hat der Dispersionsklebstoff dann erreicht, wenn die Klebstoffriefe eine leichte Haut gebildet hat, die beim Berühren mit dem Finger aufplatzt.
Der Verarbeiter kann also auch ohne Messgeräte für Raumlufttemperatur und relative Luftfeuchte den richtigen Einlegezeitpunkt des Bodenbelags ins Klebstoffbett vor Ort auf der Baustelle herausfinden. Beim probeweisen Zurücknehmen einzelner Belagsbahnen ist die richtige Einlegezeit erreicht, wenn eine vollständige Benetzung der Belagrückseite und ein Fadenzug erkennbar sind.
Aber Achtung: Keinesfalls darf man die Klebstoffschicht auf saugfähigen Untergründen so lange ablüften lassen, bis sie beispielsweise fast transparent ist und / oder sich kaum noch mit leichtem Druck zerquetschen lässt. Dieser Zustand signalisiert eindeutig die fortgeschrittene Erhärtung des Klebers und hat unter Umständen kostspielige Konsequenzen. Nach dem Auflegen des Oberbelags lässt sich eine solche Klebstoffriefe nicht mehr durch das herkömmliche Anwalzen plattdrücken (Abb. 3, Abb. 9). Die Fläche wird deshalb deutlich empfindlicher gegenüber Resteindrücken, wie beispielsweise Möbelfüße oder Stuhlrollen.
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