AKTUELLE AUSGABE

BauSV 5/2026


Bauschäden

Glas-Terrassentür mit Folie abgedeckt, dahinter Balkon mit Liegestuhl und Brüstung
Quelle: C. Clobes

 

Carsten Clobes

Gefahr durch Montagefehler

Wenn eine Tür aus dem Rahmen fällt


In einem nordhessischen Krankenhaus löste sich eine Balkontür unvermittelt aus dem Rahmen und fiel auf eine Patientin. Die Ursache konnte rasch ermittelt werden: Die Verriegelung zwischen Halteschere und oberem Scharnier war nicht ordnungsgemäß geschlossen worden – ein Montagefehler, keine Fehlbedienung. Als Konsequenz empfiehlt sich die Überprüfung aller baugleichen Elemente auf korrekte Verriegelungsstellung.

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Kunststoffplatte mit vielen unregelmäßigen Löchern,  darüber eine rechtwinklige Vorrichtung zur Dokumentation der Lage der Löcher, daneben ein Klemmbrett mit Foto und Text als Anleitung oder Beschreibung
Quelle: S. Lange/M. Doedt

 

Stefan Lange, Martin Doedt

Wenn Hagel nicht der vermeintliche Übeltäter ist

Teil 2: Von der Ortsbesichtigung zur labortechnischen Ursachenanalyse an Polycarbonat-Stegkammerplatten


Beschädigungen an Polycarbonat-Stegkammerplatten werden in der Praxis häufig vorschnell einem Hagelereignis zugeschrieben. Eine belastbare Ursachenbewertung erfordert jedoch ein systematisches Vorgehen: vom strukturierten Ortstermin über eine sachgerechte Probenahme bis zur labortechnischen Untersuchung.

Mikroskopische Analysen und GPC-Messungen können Bruchmechanismen und Degradationszustände präzisieren und Alternativursachen wie UV-Alterung, Zwängungsspannungen oder Montagefehler belegen oder ausschließen. Ein Hagelereignis allein ist kein Ursachennachweis.

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Innenwand mit feuchter, abgeplatzter Putzfläche, davor Metallgestelle und Kabel auf einem gefliesten Boden.
Quelle: P. Schewe

 

Peter Schewe

Die anerkannten Regeln der Technik – ein Garant für schadenfreies Bauen?


Am Beispiel undichter WU-Beton-Keller einer Wohnanlage wird deutlich, dass selbst regelkonforme Planung keine Schadenfreiheit garantiert. Obwohl Prüfzeugnisse die Eignung der verwendeten Fugenbleche und Hebeanlagen bestätigten, kam es zu Wassereintritten – weil Laborbedingungen mit der Baustellenrealität kaum vergleichbar sind und die notwendige Praxisbewährung fehlte. Da Hersteller ihre Haftung durch Kleingedrucktes weitgehend ausschließen, bleibt ingenieurtechnisches Urteilsvermögen unverzichtbar.

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Bautechnik

Person prüft mit Tablet einen geöffneten Elektroschaltkasten mit Sicherungen und Messgeräten.
Quelle: TÜV SÜD

 

Markus Weißenberger, Stefan Wenz

Wenn die DIN-Vorgabe nicht zur Baustelle passt

Elektroinstallation im Wohnungsbau


Eine 20-A-Sicherung am Herd, zwei Elektroverteiler bei mehrgeschossigen Wohnungen: Die DIN 18015-1 verlangt im Wohnungsbau teils Lösungen, die in Deutschland kaum jemand umsetzt. Für Planer sowie Ausführende und Bausachverständige stellt sich damit die Frage, wann eine Abweichung von der Norm einen Mangel begründet und wann diese gängige Baupraxis ist. TÜV SÜD hat dazu eigene Daten ausgewertet.

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Baustelle mit frischem Betonfundament, dicht stehenden senkrechten Bewehrungsstäben und einem auf dem Boden liegenden Metallrohr
Quelle: R. Hohmann

 

Rainer Hohmann

Die Fuge merkt sich alles – und verzeiht nichts

Baufehler bei WU-Betonkonstruktionen, die niemand sieht – bis das Wasser kommt


In der Praxis scheitern WU-Betonkonstruktionen nur selten am Beton. Sie scheitern an Details und ganz besonders an ihren Fugen. Dieser Beitrag zeigt, welche Fugenabdichtungssysteme zur Verfügung stehen und warum Fugen in WU-Betonkonstruktionen besonders schadensanfällig sind. Ziel ist es, typische Fehler frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden – bevor aus einer kleinen Schwachstelle ein großes Schadensrisiko wird.

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Baurecht

Klaus-Udo Reichelt

Das sogenannte Mindestgefälle von 2% für Dachabdichtungen


Stellen Pfützen auf Dächern einen Mangel dar? Sollten/sollen/müssen Dächer ein Gefälle aufweisen, ggf. welches? Sind Durchbiegungen, Unebenheitstoleranzen etc. bei der Planung und Ausführung zu berücksichtigen? Sollten Abdichtungsbauarten nach dem konkreten Gefälle eines Daches ausgewählt werden oder gefälleunabhängig jeweils nach der höchsten Beanspruchung – Gefälle < 2%, gefällelos, Gegengefälle?

Der Beitrag stellt die diesbezüglichen Regelungen in der DIN 18531 alt und neu, dem abc Bitumenbahnen von 2017 sowie dem abc_Technische Regeln Abdichtungen von 2026, der Flachdachrichtlinie von 2016 und 2026 und den Dachbegrünungsrichtlinien der FLL von 2018 dar und beurteilt diese aus rechtlicher Sicht.

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Lena Rath

Wer haftet im Schadensfall in welchem Umfang, wenn in einem Bauprojekt mehrere Planer zusammenwirken?

Eine Analyse des BGH-Urteils vom 15.01.2026 – VII ZR 119/24


Planen und Bauen im Bestand gewinnt zunehmend an Bedeutung. Sanierung, Modernisierung, Instandsetzung, Umnutzung, Erweiterung und Aufstockung von Gebäuden dienen nicht nur der Wertsicherung von Immobilien, sondern schaffen auch dringend benötigten Wohnraum. Bestandsmaßnahmen sind jedoch mit besonderen Risiken verbunden, die sich aus der vorhandenen Bausubstanz ergeben und von Bauherren sowie Planern frühzeitig berücksichtigt werden müssen.

Dabei gilt es aber auch, den Planungsprozess so zu gestalten, dass die erforderlichen Abstimmungen der verschiedenen Fach­disziplinen untereinander zum Erfolg führen. Und genau das ist in einem Fall, der dem Bundesgerichtshof zur Entscheidung vor­lag, nicht geschehen – mit weitreichenden Folgen, die in diesem Beitrag beleuchtet werden sollen.

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Friederike Münstedt

§ 13 JVEG – Voraussetzungen, Begründungsanforderungen und aktuelle Rechtsprechung


§ 13 JVEG eröffnet die Möglichkeit für Sachverständige, Dolmetscher und Übersetzer, unter bestimmten Voraussetzungen eine von den gesetzlichen Vergütungssätzen abweichende Vergütung zu erhalten. In der Praxis stellt sich dabei insbesondere die Frage, welche Anforderungen an eine wirksame Vereinbarung zu stellen sind und wie mit nachträglichen Kostensteigerungen umzugehen ist.

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ARGE Baurecht

Tobias Köhler

BGH: Kein Abzug »neu für alt« bei Ersatzvornahmekosten


Der Bundesgerichtshof hat klargestellt, dass beim Anspruch auf Vorschuss bzw. Erstattung von Ersatzvornahmekosten kein Vorteilsausgleich in Form eines Abzugs "neu für alt" vorzunehmen ist. Die Entscheidung hat unmittelbare Auswirkungen auf die Praxis der Schadensfeststellung und Schadensberechnung: Bausachverständige sind nicht gehalten, in Gutachten zu Mängelbeseitigungskosten proaktiv Abschläge für eine verlängerte Lebensdauer oder ersparte Instandhaltungsaufwendungen vorzunehmen.

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Top-Thema

Laura Boecking

Sachverständigenbeweis entbehrlich?

Richterliche Schätzung und offenkundige Tatsachen


Die Prozessordnung räumt Gerichten bei der Feststellung von Schäden und deren Höhe weitgehende Beurteilungsspielräume ein. Zudem bedürfen offenkundige Tatsachen keiner Beweisaufnahme. Diese Regelungen dienen der Verfahrensbeschleunigung. Der Beitrag geht der Frage nach, wo die Grenze richterlicher Schätzung verläuft und wann das Gericht das Feld den Bausachverständigen überlassen muss.

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Rechtsprechungsreport

Eva-Martina Meyer-Postelt

Bauvertragsrecht | Sachverständigenrecht

Zur Vergütung eines Sachverständigen bei Verwendung von KI


Verwendet ein Sachverständiger bei der Erstellung seines Gutachtens in erheblichem Umfang KI, ohne dies dem Gericht gegenüber zu deklarieren, so kann allein deswegen seine Vergütung auf 0,00 Euro festgesetzt werden.

LG Darmstadt, Beschluss vom 10.11.2025 – 19 O 527/16

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